Bei Bedarf lohnt sich eine Auslandsreise-Krankenversicherung
bei längeren Aufenthalten


Viele Krankenversicherungen weisen für Auslandsreisen Lücken auf. Insbesondere für Diabetes ist es nicht leicht, ein Rundum-Sorglos-Paket zu erhalten.

Für ein Jahr als Au-pair nach Amerika? Oder für ein Semester in Australien studieren? Keine Lust auf Winter? Vielleicht auch zur kalten Jahreszeit in ein warmes Gebiet? Für einen längeren Aufenthalt gibt es viele Möglichkeiten und Gründe. Doch wer zum Beispiel Diabetes hat, muss sich so seine Gedanken machen, die bestmögliche medizinische Unterstützung zu bekommen.

Die gesetzlichen Krankenkassen decken die ärztlichen Leistungen in den EU-Ländern und in Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat: zum Beispiel etwa die Schweiz, die Türkei oder Kroatien. Mit Hilfe der europäischen Versichertenkarte oder einem Auslandskrankenschein hat man die Möglichkeit, sich in öffentlichen Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten behandeln zu lassen. Letztere behandeln allerdings nur auf private Rechnung. Bei Einreichen der Original-Belege bei der gesetzlichen Krankenkasse bekommt man die Kosten meist erstattet.

Das Sozialversicherungsabkommen gewährleistet nur die Grundversorgung nach dem üblichen Standard, die im entsprechenden Reiseland herrscht.  In manchen Ländern beinhaltet dies nicht die Zahnarztkosten oder eine Behandlung wird nur gegen eine Eigenbeteiligung durchgeführt.

Außerhalb Europas deckt die gesetzliche Krankenkasse nicht die Kosten ab.

Um hier die Lücken abzudecken, ist eine Auslands-Krankenversicherung zu haben sinnvoll. Auch für Reisen außerhalb Europas sollte eine Auslands-Krankenversicherung auf jeden Fall vorhanden sein. Wer also eine größere oder längere Reise oder Aufenthalt plant, sollte sich vorab genauestens informieren. Auch innerhalb der Krankenversicherungen gibt es Unterschiede. Manche Versicherungen bieten einen weltweiten Leistungsumfang. Andere GKVs wiederum schließen zum Beispiel die USA, Kanada oder die Karibik aus.

Eine private Auslands-Krankenversicherung ist teilweise schon für weniger als 20 Euro pro Jahr zu bekommen und deckt dabei meist mehrere kurze Reisen innerhalb des Versicherungsjahres ab. Eine Einzelreise darf in der Regel nicht länger als sechs bis acht Wochen dauern. Die meisten Versicherungsverträge verlängern sich automatisch. Bei anderen Versicherungen ist wiederum eine Verlängerung des Zeitraums, den die Versicherung abdecken soll, gegen Aufpreis möglich. Oder man schließt im Vornherein eine teurere Krankenversicherung ab, die derartige längere Auslandsaufenthalte ohne weitere Bürokratie mit abdeckt.

Ein Hindernis stellen zum Teil die für Diabetiker allgemein festgelegten Ausschlussklauseln dar. Bei Abschluss des Versicherungsvertrages fragt der Versicherungsberater meist nicht nach Vorerkrankungen, jedoch offenbart sich bei Studieren des Kleingedruckten oft, dass chronische Erkrankungen (wie z. B. Diabetes), die schon vor Abschluss der Versicherung bekannt waren, gänzlich von der Leistungspflicht ausgeschlossen sein können. Wer also im Ausland eine Netzhautablösung aufgrund einer diabetesbedingten Retinopathie bekommt, wird nicht erwarten können, dass die Krankenversicherung die Kosten für diese Behandlung übernehmen wird.

„Pauschaler Ausschluss von chronischen Erkrankungen bedeutet bei Diabetes: Schutz mit Lücken“, sagt Versicherungsexperte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied beim Bund der Versicherten. Der Schutz, den insbesondere die günstigen Auslands-Krankenversicherungen für Menschen mit Diabetes bieten, ist dementsprechend eingeschränkter.




Eine Auslands-Krankenversicherung bedeutet kein Freibrief für Abenteurer 

Mit dieser Lücke wollte sich der 31-jährige Einhandsegler und Typ-1-Diabetiker Bastian Hauck nicht zufrieden geben. Nicht nur die allgemeinen Risiken seiner Diabeteserkrankung fanden hier Geltung, sondern auch die unvorhergesehenen Risiken eines Abenteuerlebens: Hauck umsegelte im Südpazifik Eisberge und kreuzte einen Sommer lang ganz allein mit seinem Segelboot Tandorna durch die Ostsee.

„Ich brauche eine Versicherung, die mich aus dem Pazifik zurückfliegt, falls ich dort beim Segeln verunglücke“, so Hauck. Die passende Versicherung, die Behandlungskosten aufgrund seiner Diabetes mit abdeckt und für ihn den bestmöglichen Versicherungsschutz im Ausland bietet, hat Hauck schließlich gefunden, wenn auch zu einem höheren Preis (etwa 500 Euro pro Jahr).

Zum Anderen stellt die Absicherung des Diabetesbedarfs ein weiteres Problem für den Diabetiker dar. Egal ob Weltumseglung oder Auslandssemester – jeder Diabetiker sollte die doppelte Ausführung des üblichen Bedarfs einplanen.

Werden einem Diabetiker vom Arzt mehr als der Quartalsbedarf an Tabletten, Insulin oder Teststreifen verschrieben, sprengt das meist sein Budget und er kann in Regress genommen werden, was bedeutet, dass er auf den Kosten sitzen bleibt.  Manche Diabetes-Patienten greifen daher auf den Trick zurück, dass Sie mehrere Ärzte besuchen und sich von jedem Rezepte ausstellen lassen. Somit lässt sich ein Vorrat zusammen sammeln.

Eine andere Möglichkeit gibt es auch: Bastian Hauck zum Beispiel verhandelte mit seinem behandelnden Arzt und seiner Krankenkasse. Die Krankenkasse erklärte sich bereit, die Kosten für Insulin und Teststreifen für das ganze Jahr zu übernehmen. Vermutlich spielte es eine entscheidende Rolle, dass Hauck nicht den üblichen Abenteurer mimt, sondern verantwortungsbewusst mit seiner Diabetes umgeht und zudem unnötige Risiken meidet. Diese Aspekte haben auch den Sachbearbeiter bei der Krankenversicherung überzeugt.